Forum Discussion
2 years ago
Ort: Oasis Springs Nr.11, Haushalt Töpfer
Charaktere: Denize, Marga, Blaze
Geschichtsstrang: Die Stunde der Wahrheit
"...aber du bist sein bester Freund?"
"Na und?"
"Du willst es mir nur nicht sagen. Ist es weil er dir gesagt hat er will nicht mit mir sprechen?"
"Alter... Denize... ich hab echt andere Probleme grade."
"Erst duschst du uns mit Farbe und jetzt? Du schuldest mir was!"
"Verdammt! Er ignoriert mich, ok?! Seit der Farbe. Checkst dus nich? Ich weiss nich wo er ist und jetz geh mir nich aufn Zeiger... Psych..."
"Was soll ich den noch machen...?"
"Woher soll ich das wissen? Sieh bei ihm zu Hause nach."
"Warst du da schon?"
"Wie denn...!
".... Danke.. ich leg jetzt auf. Bye."
"Ciao.."
Denize blickt auf ihr Handy. Keiner weiss wo Chip ist. Seit Halloween ist er spurlos verschwunden. In der Schule heisst es, er sei krank. Vielleicht hat Blaze recht....
Sie zieht sich warm an und steigt in den Bus nach Oasis Springs. Sie hat Blaze per Sms nach Chips Adresse gefragt, da sie noch nie dort war, und der hat sie ihr geschickt.
Jetzt steht sie vor der Tür und ihr Herz pocht wild. Denize weiss noch nicht was sie sagen will, aber...
Die Haustür der Töpfers öffnet sich. Unsicher sieht Denize auf.
Marga sitzt am Küchentisch und schreibt emsig in ihrem Notizbuch. Gerade hat sie den ausrangierten Verkaufswagen von Bertl genauer inspiziert. Vielleicht lässt sich der noch sinnvoll nutzen. Sie denkt an das Telefonat mit Nael, ihre Kochkünste.. es klingelt an der Türe. Adrian! Marga springt auf. Nein, der würde mit seinem Schlüssel herein kommen. Delsyn vielleicht? Und Maryama? Sie eilt zur Türe und öffnet erwartungsvoll lächelnd. Ein junges Mädchen blickt sie aus großen , braunen Augen an. „Hallo, wie kann ich helfen?“ fragt Marga freundlich, als ihr plötzlich die Erkenntnis kommt, wer das ist. "Ah, du bist doch wie war noch ihr Name? Desiree. Eine Freundin von Adrian." Sie öffnet die Tür weiter und winkt nach drinnen. "Komm rein." Womöglich will sie einen Krankenbesuch machen,dann wird es schwierig. Egal, es ist schön dass sie da ist. Natürlich hat Adrian nie mehr etwas erwähnt, dass er noch in Kontakt steht mit ihr. Typisch.
Denize folgt Marga mit einem traurigen Lächeln ins Haus. "Ich wollte fragen wie es Adrian geht. Weil er jetzt schon so lange krank ist und sich nicht meldet..." Sie blickt sich ein wenig in dem alten Haus um, betrachtet die Möbel und die Deko, atmet den intensiven neuen Geruch ein. Und dann wird ihr schlecht. Schlecht aus Sorge, aus Stress und wegen der neuen Eindrücke die sie ein wenig überwältigen. Sie hat gewusst das Chip nicht 'reich' ist, aber sie dachte er lebt in der Mittelschicht. Das Haus, und der Garten den sie nur kurz erblickt hat, die alten benutzten Möbel, die altbackenen Vorhänge... es wirkt eher nach oberer Unterschicht. Kein Wunder, dass ihn die Vorstellung eines Babys aus den Socken haut... Der abgeschweifte Gesichtsausdruck, lächelt wieder als Marga ihr einen Platz am Küchentisch anbietet. Denize setzt sich.
"Was kann ich dir denn Gutes tun? Wollen wir zusammen eine Tasse Tee trinken?" Marga wartet die Antwort nicht ab, sondern beginnt Wasser in einen Topf zu füllen. Was soll sie dem Mädchen nur sagen? Adrian hat ihr immer noch nicht geschrieben, wo er ist und geht auch nicht ans Telefon, wenn sie ihn anruft. Lediglich Textnachrichten mit knappem Inhalt schickt er manchmal und sagt, dass es ihm gut geht und er bald wieder käme. Nach dem Gespräch mit Bertram über diesen Streit, beschäftigen Marga so viele Gedanken in Bezug auf die beiden. Sorgenvolle Gedanken. Sie setzt das Wasser auf und schaltet den Herd ein, dann nimmt sie dem Mädchen gegenüber Platz. Sie legt die Arme auf die Tischplatte und verschränkt die Finger ineinander. Dann sieht sie auf. "Es ist schwierig. Wenn ich dir jetzt etwas erzähle, muss das unter uns bleiben." Sie sieht ihr Gegenüber ernst an. Ob es nicht doch besser wäre zu lügen?
Das überrascht Denize. Sie dachte sie wäre diejenige mit der Überraschung, also nickt sie stumm und presst die Lippen zusammen.
"Er ist nicht hier und ich weiß auch nicht wo er steckt. Er ist weggelaufen und schreibt mir nur manchmal ein paar Worte. Ich habe ihn in der Schule entschuldigt, weil er mich dringend darum gebeten hat." Dieses Mädchen hat so etwas Reines an sich, dass Marga das Gefühl hat, es ist richtig ihr die Wahrheit zu sagen. "Ich mache mir große Sorgen." Das Wasser kocht. Sie steht auf. "Welche Sorte magst du denn?"
Er hat also alles stehen und liegen lassen. Blaze hat auch die Wahrheit gesagt... Welche Sorte? Denize überkommt eine Welle von Traurigkeit wegen der Beratung, die sie wegen dem Kind gemacht hatte und ständig muss sie daran denken was sie essen darf und sollte und was nicht. Statt zu antworten bricht sie in Tränen aus.
"Um Gottes Willen, Kindchen." Marga fällt fast der Topf aus der Hand. Schnell stellt sie ihn ab und eilt zurück an den Tisch. "Komm her."
Sie geht in die Hocke und zieht das weinende Bündel an sich. "Schschsch, schsch.." Eine Hand streicht über das weiche Haar, während der andere Arm die zuckenden Schultern umfasst. Was hat sie nur angerichtet? "Er ist wohlauf und sagt, dass er bald zurück kommen will." Sie hält das weinende Mädchen einfach weiter im Arm. "Ich mache mir wegen unserer Familie Sorgen, nicht weil es ihm schlecht geht." Sie hat sich wirklich ungeschickt ausgedrückt und Desiree scheint Adrian wirklich gern zu haben. Marga hat ein schlechtes Gewissen. Hoffentlich beruhigt sie sich wieder.
Margas Fürsorge bringt Denize noch mehr zum weinen. Es ist das erste Mal dass sie alles rauslässt und nichts unterdrückt. Sie hat bei Nadine geweint, aber Nadine kann ihr auch nicht helfen. Nur beistehen. Sie muss es einem Erwachsenen sagen, der ihr sagt wie es jetzt weiter geht. Margas Wärme tut gut und nach einer Weile entschuldigt sie sich, den Rotz hochziehend und die Tränen abwischend. "Tut mir Leid." sagt sie mit verstopfter Nase und schnieft. "Mir... mir gehts nicht so gut..."
Rasch zieht Marga eine Packung Taschentücher aus der Rocktasche und reicht sie dem Mädchen. "Hier mein Liebe, du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen. Ich brüh uns jetzt Kamillentee, der hilft in allen Lebenslagen." Marga erhebt sich und widmet sich wieder der Teezubereitung, während sie aus den Augenwinkeln beobachtet, wie die Kleine sich die Nase putzt und wie ein Häufchen Elend am Tisch sitzt. Mit zwei dampfenden Tassen tritt sei wieder näher, stellt eine vor ihr ab und setzt sich selbst wieder gegenüber. "Es ist nichts körperliches warum es dir schlecht geht, nicht wahr?" Sie kann das unglücklich sein sehen. Vielleicht ist sie verliebt in Adrian und er hat sie schlecht behandelt. Empörung steigt in ihrem Inneren hoch. Das sähe ihm ähnlich, diesem Luftikus. "Hat es etwas mit Adrian zu tun, Desiree?"
Sie zieht die Tasse näher und muss kurz traurig lachen, "Denize." korrigiert sie freundlich. Dann verschwindet das Lächeln. Körperlich? Und wie... "Mh... ja hat es.." sagt sie und kratzt an einer kleinen Kerbe am Tassenrand. Ohne aufzusehen denkt sie darüber nach. "Er... also wir..."
Weiß sie überhaupt Bescheid? Das sie zusammen sind? Ihr Mund verzieht sich wieder zu einer traurigen Grimasse, ehe sie sich wieder entspannt. Sie schnieft. Sie sieht die Frau mit großen, tränengefüllten, sorgenvollen Augen an und Entsetzen blitzt in ihnen auf als sie sagt: "Ich bin schwanger.."
Marga will gerade zu einem 'Entschuldige' wegen der Namensverwechslung ansetzen, als Denize' nächster Satz ihr den Atem nimmt. Würde sie nicht sitzen, wären ihr jetzt sicher die Knie weg geknickt. Adrian hat kein Wort darüber verloren, dass er eine Freundin hat, geschweige denn, dass es schon so ernst ist. Jetzt sitzt ihr dieses bezaubernde Kind gegenüber und ihr Sohn hat nichts Besseres zu tun, als sich aus der Affäre zu ziehen? Streit mit Bertl hin oder her? Kurz sieht sie Denize an, steht auf, holt eine Flasche Selbstgebrannten an den Tisch und stürzt ein Gläschen auf Ex. Dann lächelt sie Denize an und nimmt ihre Hand zwischen die ihren. "So, jetzt erzählst du mir bitte mal alles was du auf dem Herzen hast. Adrian hat noch nie etwas von euch erwähnt und kann im Moment von Glück sagen, dass er nicht anwesend ist. Ich bin aber da und du kannst auf mich zählen." Sie drückt die Hand des Mädchens. "Erzählst du mir was zwischen euch vorgefallen ist?"
Denize beobachtet wie die Frau den Trunk kippt und hätte aus Reflex fast gesagt sie will auch einen. Das machen doch alle immer so, also scheints zu helfen, aber sie darf ja nicht. Seine Mutter weiß von nichts. Sie atmet gequält einmal tief ein und aus. Zitternd erzählt sie, dass alles ernst wurde als er ihr an ihrem Geburtstag diese Überraschung schenkte. Und sie erzählt von dem Ausflug Ende Sommer, lässt das gestohlene Auto jedoch aus. Aber dass sie jene Nacht verdächtigt, weil das zeitlich passt. "Ich hatte Angst es jemandem zu sagen." sagt sie mit den Tränen ringend. "Ich habe es meiner besten Freundin gesagt und wir sind zum Arzt. Mein Vater weiss es nicht und ich hatte Angst Adrian lässt mich hängen wenn er es erfährt." sie lächelt traurig und humorlos um anzudeuten, dass es genau so gekommen ist. "Ich fühle mich nicht gut dabei, es... wegzumachen. Ich habs ihm an Halloween gesagt und dann war er weg. Wir haben uns gestritten... heftig..." Denize schluchzt. "Ich weiß nicht was ich jetzt machen soll."
Es ist einfach unglaublich. Mit jedem Wort von Denize werden Margas Augen größer. Seit dem Sommer? Sie erinnert sich, dass Adrian von ihr gezeigt bekommen wollte, wie Spinatpfannkuchen zubereitet werden...für die Schulfeier, wie er sagte. Marga schnaubt unbewusst. Jetzt ist es Winter und er hat keine Silbe darüber verlauten lassen, das gibt's doch nicht.
ich werde Oma erst jetzt sickert das in ihr Bewusstsein. Ein heißer Strom Freude durchfährt sie, sofort gefolgt von weiteren Gedanken. Wo steckt ihr Sohn? Was heißt er kommt bald zurück? Er kommt augenblicklich zurück! "Meine Liebe." Marga kann nicht anders. Sie steht auf, zieht Denize in ihre Arme und hält sie einfach, bis das Schluchzen abebbt.
Als sie wieder zusammen am Tisch sitzen, schiebt sie ihr den Tee näher. "Jetzt trink mal was Warmes, das tut gut. Es ist völlig in Ordnung, dass du das Baby behalten willst. Mein Mann und ich werden euch dabei auf jeden Fall unterstützen." Sie klingt sicherer als sie sich fühlt. "Er ist derzeit im Krankenhaus und es gibt noch etwas, was du wissen musst." Seufzend richtet sie sich auf und trinkt selbst einen Schluck Tee. "Adrian hatte in derselben Nacht nochmal einen Streit, einen Schlimmen..mit seinem Vater, allerdings ging es da um andere Sachen. Es ist sehr schwierig mit den beiden. Ich vermute, dass das der endgültige Auslöser dafür war, dass er weggelaufen ist." Sie lächelt Denize aufmunternd an. "Wie ich meinen Sohn kenne, igelt er sich jetzt irgendwo ein und grübelt über all das nach. Weißt du was? Wir werden ihm hier und jetzt schreiben, das ist doch ein Anfang." Sie zuckt mit den Schultern. "Leider nimmt er meine Anrufe nicht an, daher.."
Denize beginnt zu verstehen, was es mit Adrians Vater auf sich hat. Als er immer auswich wenn sie seine Eltern kennen lernen wollte. Jetzt ist sie hier und nicht unter den Umständen die sie gerne gehabt hätte. Sie nickt stumm, als Marga das Telefon nimmt und ihm schreibt. Ein wenig erleichtert ist sie, dass Marga sie unterstützen will und ihr Verständnis entgegen bringt. "Ich habe Angst..." sagt sie. "Es macht alle Zukunftspläne zu nichte, was werden die Leute sagen? In der Schule? Man Papa wird bestimmt enttäuscht sein. Und wir haben kein Geld. Wir haben noch nicht mal einen Abschluss..." Sie blickt auf die Tasse zwischen ihren Händen, "Es ist so viel."
Sie zieht die Nase hoch. "Was wenn Adrian das nicht will...?"
Marga schickt die Nachricht an ihren Sohn ab und legt das Telefon zur Seite. Wehe, wenn da keine Reaktion kommt.
Verständnisvoll nickt Marga und überlegt ob sie diesem Kind etwas erzählen soll, was nur Bertl und sie wissen. "Ja, es ist viel und kann einem als Riesenberg erscheinen. Ich versteh dich sehr gut, Denize." Sie trinkt nochmal und studiert einen Moment lang die Holzmaserung des Tisches, ehe sie wieder auf sieht. "Als ich damals mit Adrian schwanger wurde, waren sein Vater und ich erst sehr kurze Zeit zusammen. Er steckte noch in der Ausbildung und ich war noch ein ganz unbeschriebenes Blatt, obwohl ich schon 27 war. Meine Eltern waren sehr streng und altmodisch, ich hatte keine Ahnung von der Welt und musste mich voll auf Bertram verlassen. Es gab ein Riesentheater, als wir das mit dem Baby sagten und wir mussten natürlich sofort heiraten." Sie seufzt. "Ich hab mich sehr verloren gefühlt, mein Mann hat viel gearbeitet um im Beruf aufzusteigen und ich hatte mächtig Angst davor, ein Kind groß zu ziehen, mit so wenig Geld und mit meiner ganzen Unerfahrenheit. Mein Fels in der Brandung war mein Großvater, der sich vor uns gestellt und mich immer unterstützt hat. Leider ist er in Adrians erstem Lebensjahr verstorben." Sie greift wieder nach Denize' Hand. "Und weil ich diese Ängste nur zu gut kenne, versichere ich dir, weder wir noch Adrian werden dich im Stich lassen. Wir gehen das Schritt für Schritt an und du kannst jederzeit mit allen Sorgen zu mir kommen. Was hältst du davon, wenn wir zuallererst gemeinsam mit deinem Vater sprechen?" Es tun sich tatsächlich unendlich viele Probleme auf, aber eins nach dem anderen.
Denize hat befürchtet, dass das kommt aber sie weiß es muss sein. Irgendwann wird sie es sowieso nicht mehr verstecken können. Sie denkt an Isla die sie bestimmt auch unterstützt. Margas Geschichte erinnert sie an sie. Also nickt sie. "Ja... ich denke das ist das Beste..." sagt sie leise nachdenklich.
Marga lächelt teilnahmsvoll. "Willst du dich noch vorbereiten auf das Gespräch und sagst mir Bescheid wenn du dich dem gewachsen fühlst? Oder wäre es dir lieber wir packen es an und machen das heute?"
Denize‘ atmet etwas schneller. Die Vorstellung überrollt sie. „Ich.. weiß nicht.“ sofort angehen ist eigentlich ihre Art aber nicht in diesem speziellen Fall. Sie hat sich schon jede Menge Reaktionen überlegt die ihr Vater ihr entgegenbringen könnte. Aber wenn Chips Mutter dabei ist? Sie will nicht mehr darüber nachgrübeln und sich noch mehr in die Angst zu steigern. Besser es einfach zu tun. „So schnell es geht.“ sagt sie dann und blickt auf ihr Telefon. „Er arbeitet noch bis fünf…“
"Dann ist das beschlossenen Sache." Marga nickt und steht auf. Prüfend begutachtet sie Denize' leere Tasse, ehe sie beide zur Spüle trägt und sich dann wieder zu ihr wendet. "Dann machen wir jetzt das, was du von jetzt ab jeden Tag tun solltest. Wir gehen zusammen spazieren an der frischen Luft. Vielleicht magst du mir ja dabei ein bisschen erzählen von dir? Ich würde gerne die Mama meines ersten Enkelkindes ein bisschen besser kennen lernen?" Sie lächelt Denize aufmunternd an. Marga ist bewusst, dass die kommende Zeit für alle Beteiligten hart werden wird, trotzdem zaubert ihr das Aussprechen dieser Worte ein warmes Glücksgefühl ins Herz. "Und dann gehen wir erfrischt ins Gespräch mit deinem Vater. Es wird sich alles fügen."
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha)
Charaktere: Denize, Marga, Blaze
Geschichtsstrang: Die Stunde der Wahrheit
"...aber du bist sein bester Freund?"
"Na und?"
"Du willst es mir nur nicht sagen. Ist es weil er dir gesagt hat er will nicht mit mir sprechen?"
"Alter... Denize... ich hab echt andere Probleme grade."
"Erst duschst du uns mit Farbe und jetzt? Du schuldest mir was!"
"Verdammt! Er ignoriert mich, ok?! Seit der Farbe. Checkst dus nich? Ich weiss nich wo er ist und jetz geh mir nich aufn Zeiger... Psych..."
"Was soll ich den noch machen...?"
"Woher soll ich das wissen? Sieh bei ihm zu Hause nach."
"Warst du da schon?"
"Wie denn...!
".... Danke.. ich leg jetzt auf. Bye."
"Ciao.."
Denize blickt auf ihr Handy. Keiner weiss wo Chip ist. Seit Halloween ist er spurlos verschwunden. In der Schule heisst es, er sei krank. Vielleicht hat Blaze recht....
Sie zieht sich warm an und steigt in den Bus nach Oasis Springs. Sie hat Blaze per Sms nach Chips Adresse gefragt, da sie noch nie dort war, und der hat sie ihr geschickt.
Jetzt steht sie vor der Tür und ihr Herz pocht wild. Denize weiss noch nicht was sie sagen will, aber...
Die Haustür der Töpfers öffnet sich. Unsicher sieht Denize auf.
Marga sitzt am Küchentisch und schreibt emsig in ihrem Notizbuch. Gerade hat sie den ausrangierten Verkaufswagen von Bertl genauer inspiziert. Vielleicht lässt sich der noch sinnvoll nutzen. Sie denkt an das Telefonat mit Nael, ihre Kochkünste.. es klingelt an der Türe. Adrian! Marga springt auf. Nein, der würde mit seinem Schlüssel herein kommen. Delsyn vielleicht? Und Maryama? Sie eilt zur Türe und öffnet erwartungsvoll lächelnd. Ein junges Mädchen blickt sie aus großen , braunen Augen an. „Hallo, wie kann ich helfen?“ fragt Marga freundlich, als ihr plötzlich die Erkenntnis kommt, wer das ist. "Ah, du bist doch wie war noch ihr Name? Desiree. Eine Freundin von Adrian." Sie öffnet die Tür weiter und winkt nach drinnen. "Komm rein." Womöglich will sie einen Krankenbesuch machen,dann wird es schwierig. Egal, es ist schön dass sie da ist. Natürlich hat Adrian nie mehr etwas erwähnt, dass er noch in Kontakt steht mit ihr. Typisch.
Denize folgt Marga mit einem traurigen Lächeln ins Haus. "Ich wollte fragen wie es Adrian geht. Weil er jetzt schon so lange krank ist und sich nicht meldet..." Sie blickt sich ein wenig in dem alten Haus um, betrachtet die Möbel und die Deko, atmet den intensiven neuen Geruch ein. Und dann wird ihr schlecht. Schlecht aus Sorge, aus Stress und wegen der neuen Eindrücke die sie ein wenig überwältigen. Sie hat gewusst das Chip nicht 'reich' ist, aber sie dachte er lebt in der Mittelschicht. Das Haus, und der Garten den sie nur kurz erblickt hat, die alten benutzten Möbel, die altbackenen Vorhänge... es wirkt eher nach oberer Unterschicht. Kein Wunder, dass ihn die Vorstellung eines Babys aus den Socken haut... Der abgeschweifte Gesichtsausdruck, lächelt wieder als Marga ihr einen Platz am Küchentisch anbietet. Denize setzt sich.
"Was kann ich dir denn Gutes tun? Wollen wir zusammen eine Tasse Tee trinken?" Marga wartet die Antwort nicht ab, sondern beginnt Wasser in einen Topf zu füllen. Was soll sie dem Mädchen nur sagen? Adrian hat ihr immer noch nicht geschrieben, wo er ist und geht auch nicht ans Telefon, wenn sie ihn anruft. Lediglich Textnachrichten mit knappem Inhalt schickt er manchmal und sagt, dass es ihm gut geht und er bald wieder käme. Nach dem Gespräch mit Bertram über diesen Streit, beschäftigen Marga so viele Gedanken in Bezug auf die beiden. Sorgenvolle Gedanken. Sie setzt das Wasser auf und schaltet den Herd ein, dann nimmt sie dem Mädchen gegenüber Platz. Sie legt die Arme auf die Tischplatte und verschränkt die Finger ineinander. Dann sieht sie auf. "Es ist schwierig. Wenn ich dir jetzt etwas erzähle, muss das unter uns bleiben." Sie sieht ihr Gegenüber ernst an. Ob es nicht doch besser wäre zu lügen?
Das überrascht Denize. Sie dachte sie wäre diejenige mit der Überraschung, also nickt sie stumm und presst die Lippen zusammen.
"Er ist nicht hier und ich weiß auch nicht wo er steckt. Er ist weggelaufen und schreibt mir nur manchmal ein paar Worte. Ich habe ihn in der Schule entschuldigt, weil er mich dringend darum gebeten hat." Dieses Mädchen hat so etwas Reines an sich, dass Marga das Gefühl hat, es ist richtig ihr die Wahrheit zu sagen. "Ich mache mir große Sorgen." Das Wasser kocht. Sie steht auf. "Welche Sorte magst du denn?"
Er hat also alles stehen und liegen lassen. Blaze hat auch die Wahrheit gesagt... Welche Sorte? Denize überkommt eine Welle von Traurigkeit wegen der Beratung, die sie wegen dem Kind gemacht hatte und ständig muss sie daran denken was sie essen darf und sollte und was nicht. Statt zu antworten bricht sie in Tränen aus.
"Um Gottes Willen, Kindchen." Marga fällt fast der Topf aus der Hand. Schnell stellt sie ihn ab und eilt zurück an den Tisch. "Komm her."
Sie geht in die Hocke und zieht das weinende Bündel an sich. "Schschsch, schsch.." Eine Hand streicht über das weiche Haar, während der andere Arm die zuckenden Schultern umfasst. Was hat sie nur angerichtet? "Er ist wohlauf und sagt, dass er bald zurück kommen will." Sie hält das weinende Mädchen einfach weiter im Arm. "Ich mache mir wegen unserer Familie Sorgen, nicht weil es ihm schlecht geht." Sie hat sich wirklich ungeschickt ausgedrückt und Desiree scheint Adrian wirklich gern zu haben. Marga hat ein schlechtes Gewissen. Hoffentlich beruhigt sie sich wieder.
Margas Fürsorge bringt Denize noch mehr zum weinen. Es ist das erste Mal dass sie alles rauslässt und nichts unterdrückt. Sie hat bei Nadine geweint, aber Nadine kann ihr auch nicht helfen. Nur beistehen. Sie muss es einem Erwachsenen sagen, der ihr sagt wie es jetzt weiter geht. Margas Wärme tut gut und nach einer Weile entschuldigt sie sich, den Rotz hochziehend und die Tränen abwischend. "Tut mir Leid." sagt sie mit verstopfter Nase und schnieft. "Mir... mir gehts nicht so gut..."
Rasch zieht Marga eine Packung Taschentücher aus der Rocktasche und reicht sie dem Mädchen. "Hier mein Liebe, du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen. Ich brüh uns jetzt Kamillentee, der hilft in allen Lebenslagen." Marga erhebt sich und widmet sich wieder der Teezubereitung, während sie aus den Augenwinkeln beobachtet, wie die Kleine sich die Nase putzt und wie ein Häufchen Elend am Tisch sitzt. Mit zwei dampfenden Tassen tritt sei wieder näher, stellt eine vor ihr ab und setzt sich selbst wieder gegenüber. "Es ist nichts körperliches warum es dir schlecht geht, nicht wahr?" Sie kann das unglücklich sein sehen. Vielleicht ist sie verliebt in Adrian und er hat sie schlecht behandelt. Empörung steigt in ihrem Inneren hoch. Das sähe ihm ähnlich, diesem Luftikus. "Hat es etwas mit Adrian zu tun, Desiree?"
Sie zieht die Tasse näher und muss kurz traurig lachen, "Denize." korrigiert sie freundlich. Dann verschwindet das Lächeln. Körperlich? Und wie... "Mh... ja hat es.." sagt sie und kratzt an einer kleinen Kerbe am Tassenrand. Ohne aufzusehen denkt sie darüber nach. "Er... also wir..."
Weiß sie überhaupt Bescheid? Das sie zusammen sind? Ihr Mund verzieht sich wieder zu einer traurigen Grimasse, ehe sie sich wieder entspannt. Sie schnieft. Sie sieht die Frau mit großen, tränengefüllten, sorgenvollen Augen an und Entsetzen blitzt in ihnen auf als sie sagt: "Ich bin schwanger.."
Marga will gerade zu einem 'Entschuldige' wegen der Namensverwechslung ansetzen, als Denize' nächster Satz ihr den Atem nimmt. Würde sie nicht sitzen, wären ihr jetzt sicher die Knie weg geknickt. Adrian hat kein Wort darüber verloren, dass er eine Freundin hat, geschweige denn, dass es schon so ernst ist. Jetzt sitzt ihr dieses bezaubernde Kind gegenüber und ihr Sohn hat nichts Besseres zu tun, als sich aus der Affäre zu ziehen? Streit mit Bertl hin oder her? Kurz sieht sie Denize an, steht auf, holt eine Flasche Selbstgebrannten an den Tisch und stürzt ein Gläschen auf Ex. Dann lächelt sie Denize an und nimmt ihre Hand zwischen die ihren. "So, jetzt erzählst du mir bitte mal alles was du auf dem Herzen hast. Adrian hat noch nie etwas von euch erwähnt und kann im Moment von Glück sagen, dass er nicht anwesend ist. Ich bin aber da und du kannst auf mich zählen." Sie drückt die Hand des Mädchens. "Erzählst du mir was zwischen euch vorgefallen ist?"
Denize beobachtet wie die Frau den Trunk kippt und hätte aus Reflex fast gesagt sie will auch einen. Das machen doch alle immer so, also scheints zu helfen, aber sie darf ja nicht. Seine Mutter weiß von nichts. Sie atmet gequält einmal tief ein und aus. Zitternd erzählt sie, dass alles ernst wurde als er ihr an ihrem Geburtstag diese Überraschung schenkte. Und sie erzählt von dem Ausflug Ende Sommer, lässt das gestohlene Auto jedoch aus. Aber dass sie jene Nacht verdächtigt, weil das zeitlich passt. "Ich hatte Angst es jemandem zu sagen." sagt sie mit den Tränen ringend. "Ich habe es meiner besten Freundin gesagt und wir sind zum Arzt. Mein Vater weiss es nicht und ich hatte Angst Adrian lässt mich hängen wenn er es erfährt." sie lächelt traurig und humorlos um anzudeuten, dass es genau so gekommen ist. "Ich fühle mich nicht gut dabei, es... wegzumachen. Ich habs ihm an Halloween gesagt und dann war er weg. Wir haben uns gestritten... heftig..." Denize schluchzt. "Ich weiß nicht was ich jetzt machen soll."
Es ist einfach unglaublich. Mit jedem Wort von Denize werden Margas Augen größer. Seit dem Sommer? Sie erinnert sich, dass Adrian von ihr gezeigt bekommen wollte, wie Spinatpfannkuchen zubereitet werden...für die Schulfeier, wie er sagte. Marga schnaubt unbewusst. Jetzt ist es Winter und er hat keine Silbe darüber verlauten lassen, das gibt's doch nicht.
ich werde Oma erst jetzt sickert das in ihr Bewusstsein. Ein heißer Strom Freude durchfährt sie, sofort gefolgt von weiteren Gedanken. Wo steckt ihr Sohn? Was heißt er kommt bald zurück? Er kommt augenblicklich zurück! "Meine Liebe." Marga kann nicht anders. Sie steht auf, zieht Denize in ihre Arme und hält sie einfach, bis das Schluchzen abebbt.
Als sie wieder zusammen am Tisch sitzen, schiebt sie ihr den Tee näher. "Jetzt trink mal was Warmes, das tut gut. Es ist völlig in Ordnung, dass du das Baby behalten willst. Mein Mann und ich werden euch dabei auf jeden Fall unterstützen." Sie klingt sicherer als sie sich fühlt. "Er ist derzeit im Krankenhaus und es gibt noch etwas, was du wissen musst." Seufzend richtet sie sich auf und trinkt selbst einen Schluck Tee. "Adrian hatte in derselben Nacht nochmal einen Streit, einen Schlimmen..mit seinem Vater, allerdings ging es da um andere Sachen. Es ist sehr schwierig mit den beiden. Ich vermute, dass das der endgültige Auslöser dafür war, dass er weggelaufen ist." Sie lächelt Denize aufmunternd an. "Wie ich meinen Sohn kenne, igelt er sich jetzt irgendwo ein und grübelt über all das nach. Weißt du was? Wir werden ihm hier und jetzt schreiben, das ist doch ein Anfang." Sie zuckt mit den Schultern. "Leider nimmt er meine Anrufe nicht an, daher.."
Denize beginnt zu verstehen, was es mit Adrians Vater auf sich hat. Als er immer auswich wenn sie seine Eltern kennen lernen wollte. Jetzt ist sie hier und nicht unter den Umständen die sie gerne gehabt hätte. Sie nickt stumm, als Marga das Telefon nimmt und ihm schreibt. Ein wenig erleichtert ist sie, dass Marga sie unterstützen will und ihr Verständnis entgegen bringt. "Ich habe Angst..." sagt sie. "Es macht alle Zukunftspläne zu nichte, was werden die Leute sagen? In der Schule? Man Papa wird bestimmt enttäuscht sein. Und wir haben kein Geld. Wir haben noch nicht mal einen Abschluss..." Sie blickt auf die Tasse zwischen ihren Händen, "Es ist so viel."
Sie zieht die Nase hoch. "Was wenn Adrian das nicht will...?"
Marga schickt die Nachricht an ihren Sohn ab und legt das Telefon zur Seite. Wehe, wenn da keine Reaktion kommt.
Verständnisvoll nickt Marga und überlegt ob sie diesem Kind etwas erzählen soll, was nur Bertl und sie wissen. "Ja, es ist viel und kann einem als Riesenberg erscheinen. Ich versteh dich sehr gut, Denize." Sie trinkt nochmal und studiert einen Moment lang die Holzmaserung des Tisches, ehe sie wieder auf sieht. "Als ich damals mit Adrian schwanger wurde, waren sein Vater und ich erst sehr kurze Zeit zusammen. Er steckte noch in der Ausbildung und ich war noch ein ganz unbeschriebenes Blatt, obwohl ich schon 27 war. Meine Eltern waren sehr streng und altmodisch, ich hatte keine Ahnung von der Welt und musste mich voll auf Bertram verlassen. Es gab ein Riesentheater, als wir das mit dem Baby sagten und wir mussten natürlich sofort heiraten." Sie seufzt. "Ich hab mich sehr verloren gefühlt, mein Mann hat viel gearbeitet um im Beruf aufzusteigen und ich hatte mächtig Angst davor, ein Kind groß zu ziehen, mit so wenig Geld und mit meiner ganzen Unerfahrenheit. Mein Fels in der Brandung war mein Großvater, der sich vor uns gestellt und mich immer unterstützt hat. Leider ist er in Adrians erstem Lebensjahr verstorben." Sie greift wieder nach Denize' Hand. "Und weil ich diese Ängste nur zu gut kenne, versichere ich dir, weder wir noch Adrian werden dich im Stich lassen. Wir gehen das Schritt für Schritt an und du kannst jederzeit mit allen Sorgen zu mir kommen. Was hältst du davon, wenn wir zuallererst gemeinsam mit deinem Vater sprechen?" Es tun sich tatsächlich unendlich viele Probleme auf, aber eins nach dem anderen.
Denize hat befürchtet, dass das kommt aber sie weiß es muss sein. Irgendwann wird sie es sowieso nicht mehr verstecken können. Sie denkt an Isla die sie bestimmt auch unterstützt. Margas Geschichte erinnert sie an sie. Also nickt sie. "Ja... ich denke das ist das Beste..." sagt sie leise nachdenklich.
Marga lächelt teilnahmsvoll. "Willst du dich noch vorbereiten auf das Gespräch und sagst mir Bescheid wenn du dich dem gewachsen fühlst? Oder wäre es dir lieber wir packen es an und machen das heute?"
Denize‘ atmet etwas schneller. Die Vorstellung überrollt sie. „Ich.. weiß nicht.“ sofort angehen ist eigentlich ihre Art aber nicht in diesem speziellen Fall. Sie hat sich schon jede Menge Reaktionen überlegt die ihr Vater ihr entgegenbringen könnte. Aber wenn Chips Mutter dabei ist? Sie will nicht mehr darüber nachgrübeln und sich noch mehr in die Angst zu steigern. Besser es einfach zu tun. „So schnell es geht.“ sagt sie dann und blickt auf ihr Telefon. „Er arbeitet noch bis fünf…“
"Dann ist das beschlossenen Sache." Marga nickt und steht auf. Prüfend begutachtet sie Denize' leere Tasse, ehe sie beide zur Spüle trägt und sich dann wieder zu ihr wendet. "Dann machen wir jetzt das, was du von jetzt ab jeden Tag tun solltest. Wir gehen zusammen spazieren an der frischen Luft. Vielleicht magst du mir ja dabei ein bisschen erzählen von dir? Ich würde gerne die Mama meines ersten Enkelkindes ein bisschen besser kennen lernen?" Sie lächelt Denize aufmunternd an. Marga ist bewusst, dass die kommende Zeit für alle Beteiligten hart werden wird, trotzdem zaubert ihr das Aussprechen dieser Worte ein warmes Glücksgefühl ins Herz. "Und dann gehen wir erfrischt ins Gespräch mit deinem Vater. Es wird sich alles fügen."
(in Zusammenarbeit mit @Ripzha)