Forum Discussion
2 years ago
Ort: ?
Charaktere: Logan, Monica
Geschichtsstrang: Was, außer meiner Kindheit
**TRIGGERWARNUNG**
Spoiler
Häusliche Gewalt
Wahrnehmungsstörungen
Wahrnehmungsstörungen
https://youtu.be/B50Ut7_zeVc
Ein Kind von etwa neun Jahren hockt unter einer Treppe. Aus sicherer Entfernung sieht es einen Körper im Dunkeln liegen. Nur ein schmaler Lichtstreifen lässt dessen Konturen erkennen. Das Kind beobachtet ihn angespannt, um zu sehen, ob er sich bewegt. Er ist völlig regungslos. Eine Figur tritt aus dem Dunkeln und bleibt vor dem Körper stehen. Sie flüstert etwas - scharfes Zischen schwebt durch den Raum. Dann sieht sie auf. Ihr Blick trifft das Kind und es spürt, wie ihm die Luft abgeschnürt wird. Langsam kommt sie auf es zu. Sie greift nach ihm und zieht es unter der Treppe hervor. Es versucht sich irgendwo festzuhalten, aber die zierliche Gestalt der Frau schleift es mühelos zu dem Körper. In der Brust des Kindes wächst der Druck und es ringt panisch nach Luft. Als sie es loslässt und es auf die Leiche stürzt, spürt es, wie ihm ein Zahn nach dem anderen ausfällt. Mit letzter Kraft schaut es ungläubig zu, wie sie auf den kalten Körper unter ihm fallen und das Kind erkennt erst jetzt, dass es sein erwachsenes Ich ist, das dort liegt. Es weiß, dass es sterben wird und schaut zu der Frau herauf. Hasserfüllt starrt sie es aus schwarzen Augen an. "Ich will dich nicht! Ich wollte dich nie!", zischt sie, als der letzte Rest Lebenskraft aus ihm entweicht und sein kindliches Ich zusammenbricht.
Logan reißt die Augen auf. Ein tiefer Atemzug strömt unkontrolliert in ihn hinein. Er keucht und hustet, seine Lungen saugen gierig die Luft in sich auf. Monica ist verschwunden, nur die Leiche seines Kinderkörpers ist bei ihm. Mit blutunterlaufenen Augen und weit geöffnetem Mund liegt sie schlaff auf ihm. Und obwohl sie federleicht ist, kostet es ihn enorme Anstrengung, sie von sich zu schieben. "Bleib liegen." , hallt eine vertraute Stimme durch die Dunkelheit. "Beweg dich nicht."
Logan reißt die Augen auf und ringt nach Luft. Seine Haut ist schweißnass. Ein schweres Gewicht liegt auf seinen Lungen und macht das Atmen zu einem Kraftakt. Von den Ohren zieht ein scharfes Stechen durch seinen Kiefer und hinterlässt das Gefühl, er wäre mit einem festen Gurt fixiert. "Bleib liegen. Beweg dich nicht." Die Stimme verhallt im Raum und zurück bleibt nur erdrückende Stille. Als müsste er sich beweisen, dass er nicht in einem Krankenhausbett angeschnallt liegt, öffnet Logan den Mund so weit es geht und schließt ihn dann wieder. Es knirscht und knackt leise in den Ohren. Mit der Zungenspitze tastet er die Zahnreihen ab und stellt fest, dass alles ist, wie es sein soll. Nichts fehlt oder wackelt. Selbst die Brücke sitzt unverändert fest im Kiefer. Er seufzt, wischt mit den Fingern über die Augen und dreht den Kopf in den Raum. Draußen ist es dunkel - es scheint noch Nacht zu sein. Schwerfällig greift er nach der Armbanduhr auf dem Nachttisch - 03:21 Uhr.
Sein Körper ist steif und unbeweglich. Mühevoll dreht er sich herum, um die Füße auf dem Boden aufzusetzen. Ein stechender Schmerz zieht durch das angeschlagene Knie und lässt den Schwarzhaarigen zusammenzucken.
Gequält greift er nach der Zigarettenschachtel und fischt ungeduldig eine Kippe heraus, klemmt sie zwischen die Lippen und steckt sie mit dem alten Zippo an. Gierig saugt er das Nikotin in sich auf und massiert sich währenddessen den angespannten Nacken, während ihm Monicas scharfes Zischen in den Ohren hängt. "Ich will dich nicht! wollte dich nie!"
Es dauert länger als gewöhnlich, bis der junge Mann in Gang kommt, aber schließlich tapert er ins Bad. Mit jedem Schritt jagt ein stechender Schmerz durch sein Knie und das bedrohliche Gefühl, beobachtet zu werden, klebt ihm im Nacken. "Du. Bist. Schuld."
Er vermeidet es, den Kopf anzuheben - zu groß ist die Sorge, sein Blick könnte direkt in den Spiegel fallen und dort Monicas ausgemergelte Gestalt einfangen. Stattdessen schleicht er in die Dusche, stützt sich an den kalten Kacheln ab und dreht das heiße Wasser an. Es dringt kaum zu ihm durch und so bleibt er eine Weile unter den prasselnden Strahlen stehen, während er versucht, Bilder und Gedanken abzuschütteln - den Kopf stetig drehend und neigend, sodass das Wasser klangvoll an den Ohren entlang läuft und die Geräusche in ihm übertönt.
Nachdem er sich, wie jeden Morgen, lange und heiß abgeduscht hat, verzichtet Logan auf das Frühstück und schüttet stattdessen einen Kaffee nach dem anderen in sich hinein. Die Bilder spuken noch immer in seinem Kopf herum, als er in einem der anderen Zimmer Geräusche hört. Misstrauen steigt in ihm auf und er lauscht einen Moment. Etwas sagt ihm, dass er verschwinden sollte. Es ist nie gut, IHM zu begegnen. Logan steht leise auf und schleicht aus dem Haus.
Irritiert steht er da und schaut auf die freie Betonfläche, die unter ihm verläuft. Was ist das für ein Ort? Wo sind die Backsteinstraßen, die Mauern, die uralten britischen Bauten? Er sollte auf das bewachsene Grundstück der Jacksons schauen. Stattdessen ist hier ... nichts? Hinter ihm fällt die Tür ins Schloss. Erschrocken fährt er herum. Das ist nicht das Haus, in dem er aufwuchs. Logan begreift nicht, was hier vor sich geht. Er muss irgendwas genommen haben, das ihm einen verrückten Trip beschert. Er kneift die Augen zu, und erwartet beim Öffnen wieder die Straße aus dem 16. Jahrhundert zu sehen. Aber als er die Augen öffnet, ist alles wie vorher. Noch immer dieses... Gebäude. Die Terrasse und der Beton. Jona beschließt, sich umzusehen. Vielleicht findet er heraus, wo er ist und wie er hierher kommt. Er nimmt die Treppe nach unten und steigt in seinen Pick up.