Forum Discussion
2 years ago
Ort: Brindleton Bay High
Charaktere: Charlie, Familie Greentail
Geschichtsstrang: Mathenachhilfe
Bea wartet nach Schulschluss vor dem Eingang. Dort hat sie sich mit Charlie verabredet, die den Weg zu Bea ja gar nicht kennt. Die Meerfrau denkt an das Sit-In zurück. Sie hatte Charlie um Mathenachhilfe gebeten. Hoffentlich würde das wirklich helfen. Bea lächelt. Sie denkt daran, wie begeistert Charlie war, als sie von dem Kanu in Sulani erfuhr. Vielleicht könnten sie die Mathenachhilfe ja mitten im Meer stattfinden lassen, auf besagtem Kanu? Sie nimmt sich vor, das vorzuschlagen. In diesem Moment sieht Bea ihre Verabredung auch und winkt ihr zu.
Charlie hebt die Hand aus der Ferne und kommt mit lässigen Schritten näher. Die Hände in den Hosentaschen. In Brinderlton ist es deutlich kälter, als in Sulani. Vorsorglich hat sie andere Klamotten eingepackt. "Hey.", grüßt sie freundlich, als sie bei Bea ankommt. "Und bist bereit für die Lektionen deines Lebens?"
"Und wie!", lacht die Meerfrau. "Freu mich, dass es geklappt hat. Zur Fähre geht es da lang..."
Ort: Sulani
Nach einiger Zeit erreichen die beiden Mädchen Sulani. "Mom ist nicht da, sie arbeitet Teilzeit in der Bar, wenn sie keinen Unterricht gibt.", erzählt Bea. "Aber Theo, mein Bruder, müsste zu Hause sein." Sie öffnet die Tür. Der Junge ist tatsächlich da. Er krault gerade Katze Silver. "Hallo!", sagt er, "du musst Charlie sein."
"Muss ich wohl." Die Besucherin zieht verschmitzt einen Mundwinkel nach oben. "Wie geht's dir, Theo? Ist deine Schwester nett zu dir?"
"Öhm... nein!", sagt er, und versucht ein ernstes Gesicht zu machen. "Sie nervt!" - "Hey!", ruft Bea in gespielter Empörung, "Dir helfe ich noch mal bei deinem Simlisch-Aufsatz!" Theo muss lachen. "Ach, sie ist wohl doch ganz ok.", sagt er grinsend. Dann sieht er Charlie an. "Das ist übrigens Silver!", Er hebt die Katze auf seinem Schoß hoch.
"Hey, Silver. Was geht?" Das Tier schaut mit interessierte Augen zur Asiatin und gibt ein gurrendes Geräusch von sich. Charlie nickt ihr zu. "Verdammt cool. Pass nur auf, dass dich deine Zweibeiner dabei nicht erwischen."
"Wie alt bist du, Theo?", fragt sie dann den Jungen.
"12", antwortet der Gefragte. Die Katze fängt an zu schnurren, fast so, als hätte sie Charlies Worte verstanden.
"Zwölf.", nickt Charlie. "Ich hab auch einen Bruder. Der ist genauso alt. Wenn der jetzt auch noch deinen Namen hätte, würde ich denken, ich bin Bea." Ihre schmalen Augen werden zu Schlitzen und sie lacht die Größere an. "Sollen wir?"
"Okay, Bea 2", sagt Theo lachend. Bea grinst. Dann sieht sie zu Charlie: "Klar. Hab mir überlegt, ob wir als Nachhilfeort vielleicht das Kanu wählen und das mitten auf dem Meer machen. Was meinst du?"
"Woa, Hammer!", ruft die Asiatin aus.
"Dann würde ich sagen, komm mit. Könnte nur nass werden. Wir sollten die Schulbücher also vielleicht noch mit Plastiktüten schützen oder so. Nur für den Fall. Aber das Wetter sieht gut aus."
"Bis dann, Theo." Charlie hebt ihm eine Hand entgegen, bevor sie Bea nach draußen folgt.
"Das ist ja wie im Urlaub.", staunt sie, als sie auf die Terrasse tritt. "Wahnsinn."
Das Kanu liegt am Steg und lässt sich von der Terrasse aus betreten. Bea lässt Charlie den Vortritt und folgt ihr, nachdem der Gast sich gesetzt hat. Sie steuert auf das Meer. "Würde sagen, wir fangen mit Mathe an, damit wir uns danach auf das Kanu fahren lernen freuen können. Was meinst du?"
"Klar.", nickt Charlie und klettert vorsichtig auf das Kanu. Mit den Armen balanciert sie sich aus, als das Gefährt einige Zentimeter davon treiben will und landet schließlich sicher auf ihrem Hintern.
Bea steuert das Kanu weiter auf das Meer. Es ist windstill, aber auch das ändert nichts daran, dass das Kanu etwas wackelt. Ein Kanu ist kein Passagierschiff mit Anker, aber Bea bleibt in der Nähe des Steuers, für alle Fälle. Eine Kiste mit Stiften und Papier für Matheaufgaben ist mit an Bord, doch die Schulbücher haben sie zur Sicherheit im Haus gelassen. Wenn ein Zettel ins Wasser fällt, ist der zwar verloren, aber immer noch besser, als wenn das dem ganzen Schulbuch passiert. Während Charlie ein paar Aufgaben für Bea aufschreibt, soll diese die Formeln auswendig aufsagen. Was manchmal klappt, aber meistens nicht ganz.
Charlie zeigt sich sehr geduldig. Wenn Bea hängt, gibt sie ihr ein Stichwort, um sie doch noch auf die Lösung zu bringen. Nach einer Weile erkennt sie schon einen ersten Fortschritt. "Diese Formel hattest du am Anfang noch nicht drauf. Das ist cool, Bea. Weiter so." Sie freut sich, dass ihre Hilfe fruchtet. Bei Jadyn kommt ihr die Arbeit eher vergebens vor. Er hat kein wirkliches Interesse daran, zu lernen. Aber die Meerfrau strengt sich an und sucht Wege und Eselsbrücken, um besser zu werden.
Auch Bea bemerkt, wie sie am Ende der Übungseinheit viel sicherer geworden ist. Sie packen die Zettel wieder weg. "Und jetzt kommt der spaßige Teil!", lächelt Bea. "Bist du bereit?" Charlie nickt aufgeregt.
Bea lässt Charlie ans Steuer. Sie erklärt, wie das Segel Einfluss auf die Fahrtrichtung hat. Wie man bei Flaute mit Hilfe des Ruders trotzdem weiter kommt. Wie man Tempo aufbaut und abbremst. Und wann es sicherer ist, das Segel einzuholen. Während Bea erklärt, versucht sie, auf Seemannsbegriffe zu verzichten, damit Charlie auch hinterher kommt, was sie sagen möchte. Mittlerweile kommt auch etwas Wind auf. "Willst du es nun mal probieren?", fragt Bea. "Falls was schief geht, bin ich ja auch noch da."
"Klar will ich." Voller Euphorie setzt sich Charlie ans Steuer und gibt ihr Bestes. Sie hat gut zugehört und hat eine schnelle Auffassungsgabe. Sie liebt es, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Unter anfänglicher Anleitung steuert die Asiatin das Kanu zuerst noch etwas holperig durch die kleine Bucht, doch nach einigen Minuten hat sie ein Gefühl für das Fahrzeug entwickelt und traut sich einige Meter aus den flacheren Gewässern heraus. "Das ist so megacool!", strahlt sie übers ganze Gesicht.
"Jaa!", jubelt auch Bea. Das Meer ist ihr Element.
Aber dann ändert sich ihr Gesichtsausdruck. Die Wettervorhersage hat mildes Wetter vorausgesagt und eine geringe Windstärke. Doch Bea ist erfahren genug, um zu erkennen, dass sie sich geirrt haben muss. "Die Wolken machen mir Sorgen. Wenn die so aussehen wie jetzt, heißt das, dass sich ein Sturm anbahnt.", warnt sie, "vielleicht sollten wir langsam umkehren."
"Alles klar, Boss!", ruft Charlie und nimmt einen großzügigen Wendekreis. Für einige Sekunden schließt sie die Augen und genießt den Wind im Gesicht. Sie liebt es, hier zu sein.
Bald spürt man, wie die Windstärke immer höher wird. Das kleine Kanu wackelt in den Wellen, und der Korb mit Papier landet dabei fast im Wasser. Bea bekommt ihn noch zu fassen. Noch hat sie die Hoffnung, an Land zu kommen, ohne das Meer durch Papier beschmutzen zu müssen. Da sie mehr Erfahrung im Segeln hat als Charlie würde sie am liebsten wieder das Steuer übernehmen.. Doch Charlie hat schnell gelernt und macht ihre Sache gut. Zumal es schwierig ist die Plätze zu wechseln, während das Kanu so wackelt. Und so gibt sie Charlie Anweisungen, mit denen es die Asiatin tatsächlich schafft, das Kanu rechtzeitig vor dem Sturm zurück zu bringen und wieder am Steg zu befestigen.
"Das war super, Kapitän Charlie!", lobt Bea lächelnd, nachdem beide wieder ausgestiegen sind.
"Was für ein Ritt!", schnauft die Kleinere glücklich. "Danke, Bea. Das war riesig." Sie knufft die neue Freundin kameradschaftlich in den Oberarm.
"Oh ja. Das hat Spaß gemacht!", sagt die Angesprochene grinsend. "Jedenfalls mehr als Mathe!"
"Wie sieht's denn mit etwas zu Beißen aus?", fragt Charlie unverhohlen. "Meeresluft macht echt hungrig."
"Kein Problem. Möchtest du, dass wir selber was kochen oder sind dir Reste lieber? Beides ist möglich.", erzählt Bea. "Wir haben noch was von gestern übrig, aber das wird morgen auch noch halten, wenn du lieber selbst kochen willst."
"Wenn du so fragst ... " Charlie legt einen Finger ans Kinn und grübelt kurz. "Wenn ich schon hier bin, wäre was traditionell sulanisches natürlich super. Fällt dir da etwas zu ein?"
"Gekochte Bananen zum Beispiel. Die sind hier recht beliebt. Alles, was so mit den hiesigen Obst zu tun hat, natürlich. Wir machen zum Beispiel auch viele Gerichte mit Ananas." Bea lächelt. "Und Fischgerichte gibt es auch viele, auch wenn das eher die Menschen hier machen und nicht die Meersims."
"Ich schaue Tieren lieber beim Leben zu, als sie auf dem Teller zu haben.", gibt die Kleinere zurück. "Aber für alles andere bin ich offen. Was ist dein Leibgericht?"
"Ah, du bist Vegetarierin?", fragt Bea lächelnd. "Gefällt mir. Also ich esse vieles gerne. Die erwähnten gekochten Bananen finde ich lecker. Aber es darf auch mal was ungesundes wie Pancakes sein.. Auch wenn die kein traditionelles Sulani-Gericht sind."
"Pancakes sind geil. Die gab's bei uns immer zum Frühstück, als ich kleiner war.", erzählt die Besucherin. "Aber die Bananen klingen gut. Lass uns das machen."
Bea holt die Zutaten. Bananen natürlich, doch es gibt auch Kräuter und Soße, um es aufzuwerten. Bea kennt das Rezept auswendig und gemeinsam bereiten sie alles zu. "Hey, kann ich mitmachen? Ich kann die Soße schon mal vorbereiten!", kommt Theo schließlich hinzu.
"Klar, Großer." Charlie stellt ihm die Zutaten zurecht und rückt etwas näher zu Bea, um Platz zu machen. "Wann kommt denn eure Mama nach Hause?", fragt sie, ohne jemanden bestimmten anzusehen.
"In etwa einer Stunde.", antwortet Theo, der damit etwas schneller war als seine Schwester.
Die drei bereiten die Bananen vor, rechnen auch für Bella eine Portion mit ein, die pünktlich ankommt, als gerade der Tisch auf der Terrasse gedeckt wird. "Hm, das riecht aber lecker.", freut sich Bella, als sie den Besuch bemerkt. "Oh, hallo Charlie. Wie lief Mathe?" Sie weiß von ihrer Tochter darüber.
Kurz schaut die Gefragte zu Bea herauf und schenkt ihr ein ehrlich gemeintes Lächeln. "Kriegen wir hin.", nickt sie dann zuversichtlich.
"Ja, es hat sich wirklich gelohnt!", bestätigt auch Bea. "Nächstes Mal bringe ich eine 1+ in der Mathearbeit nach Hause!" Sie muss dabei selber lachen. "Aber ernsthaft. Es hat geholfen."
"Wenn wir das wöchentlich machen, bist du schnell auf einem guten Stand." Charlie stemmt enthusiastisch die Hände in die Hüften. "Wirst sehen."
"Das wäre toll!", sagt Bea ehrlich.
"Sulani ist wirklich toll.", schwärmt Karlotta beim gemeinsamen Essen. "Haben die Greentails schon immer hier gelebt?", fragt sie neugierig in die Runde.
"Ja!", antwortet Bella, nicht ohne Stolz, "Auch meine Eltern und Urgroßeltern schon. Auch wenn unser Haus jetzt nicht ganz so alt ist."
"Beeindruckend.", fragt das Mädchen. "Wie weit kann man die Ahnenreihe zurück verfolgen?"
Bella lächelt. "So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es sind mindestens fünf Generationen."
"Daf iff wo fpannt.", mampft Karlotta mit großen Augen und würgt den riesigen Brocken herunter. "Ich kenne mich mit Meersims gar nicht aus. Wie ist das? Weiß man, wie alt euer Volk ist? Gibt es eine eigene Kultur, die ihr pflegt? Einen Glauben? Rituale?" Das Interesse der Mitsschülerin wurde geweckt und überschwemmt ihre Gedanken geradezu mit Fragen. Am liebsten würde sie sofort in die nächste Bibliothek laufen und sämtliche Bücher über dieses Thema verschlingen.
"Es gibt verschiedene Arten von Meersims!", erzählt Bella weiter, "Aber es wird angenommen, dass alle einem gemeinsamen Vorfahren entspringen. Wie alt Meersims im Allgemeinen sind, lässt sich schwer sagen. Manche sagen, älter als die Menschheit. Andere sagen, ungefähr genauso alt. Und wieder andere denken, dass dieser Okkult quasi eine Mutation von Menschen ist, die sich in späteren Generationen immer mehr an das Wasser angepasst haben." Theo mischt sich nun ein. "Ja! Es heißt, manche Meersims sind böse. Locken Seefahrer mit ihrem Gesang gegen Klippen und so. Aber wir nicht. Wir sind nett." Bea grinst. Da die anderen beiden ihrer Familie nun schon was gesagt haben, kümmert sie sich um die letzte Frage: "Unsere Kultur in Sulani dreht sich um den Gott Maoi. Viele Menschen in der Gegend haben diese Kultur jedoch auch angenommen. Aber es gibt auch Meersims mit anderem Glauben."
"Ihr seid wirklich richtig nett.", betont Charlie dem Jungen zugewandt. Sie mag den Kleinen. Er ist aufgeschlossen und freundlich. Insgesamt fühlt sie sich einfach wohl in dem Haushalt der Meersims. Und so vergisst sie natürlich, auf die Zeit zu achten. "Ach, du heilige Ungneyo!", ruft sie erschrocken aus. "Schon so spät?!" Hektisch steht sie auf und räumt ihr Geschirr ab. "Ich muss leider schnell los. Tut mir echt leid." Sie dreht sich zur Familienmutter und verbeugt sich. "Vielen Dank, dass ich herkommen durfte, Frau Greentail. Ich hatte wirklich eine gute Zeit.", strahlt sie.
Auch Bea blickt auf die Uhr. Es ist wirlich schon spät. "Du kannst sonst gerne auch hier übernachten, bevor du so spät noch unterwegs sein musst.", sagt sie, "Aber wenn du wirklich fort musst, leisten wir dir noch Gesellschaft bis zur Fähre."
Die Asiatin überlegt kurz. "Da müsste ich zu Hause anrufen und fragen." Sie zückt ihr Telefon und geht einige Schritte aus dem Raum. Wortfetzen einer fremden Sprache dringen zu der Familie, Lachen, mehr Worte und lauteres Lachen. Kurz darauf kommt Karlotta zurück und hebt grinsend die Daumen.
Bea freut sich. "Super. Eine Ersatzmatratze oder nen Schlafsack haben wir auch." Charlies Ausruf fällt ihr wieder ein. "Aber wer ist die heilige Ungneyo?"
Karlotta stutzt, bis ihr klar wird, was Bea meint. "Das ist die heilige Bärenfrau. Eine uralte koreanische Legende. Ich kann sie euch gern als Gute-Nacht-Geschichte erzählen.", grins sie und schließt damit auch Theo mit ein, denn sie weiß, wie Jungen in seinem Alter auf Geschichten stehen. "Ein Schlafsack reicht mir völlig. Ich bin es gewohnt, auf festem Grund zu liegen.", fügt sie hinzu.
"Au ja! Ich will Geschichten über Bärenfrauen hören!", freut sich der Junge. Aber auch die beiden weiblichen Greentails zeigen Interesse.
Karlotta lacht fröhlich. "Ich weiß ja nicht, wie das bei Meersims läuft. Aber bei uns zu Hause wird sich vor den Geschichten gewaschen und umgezogen. Einverstanden, Theo? Das gilt ntürlich auch für die Erzählerin."
"Na gut!", sagt Theo und eilt sofort los um sich umzuziehen. Bella muss lachen. Wenn das doch immer so gut klappen würden.
"Vor langer Zeit, als es noch keine Zeiten gab, herrschte Hwanin Kor über alle Himmel.", beginnt Karlotta die Geschichte, die ihre Mutter ihr jeden Abend erzählte. "Er hatte einen Sohn, Hwanung. Er sehnte sich danach, das Himmelsreich zu verlassen und Neues zu entdecken. Also sagte er seinem Vater, dem Herren aller Himmel, er wolle zur Erde reisen. Hwanin Kor konnte seinem Sohn diesen Wunsch nicht abschlagen, also wählte er einen Ort, an den sein Kind reisen konnte. Mit 3.000 Gefolgsleuten landete Hwanung auf dem Berg Taebaek. Dort gefiel es dem Sohn so gut, dass er die Stadt Sinsi, die Stadt Gottes, errichtete, um dort von nun an leben zu können.
Unter seinen Gefolgsleuten wählte er Minister, mit denen er den Menschen Gesetze, Moral, Kultur, Medizin und Landwirtschaft gab.
Sie lebten in Frieden mit einander und im Einklang mit der Natur, sie achteten alle Tiere und Geschöpfe Gottes.
Eines Tages baten ein Tiger und ein Bär Hwanung darum, sie in Menschen zu verwandeln. Hwanung gab ihnen Knoblauch und Beifuß, das war das erste Gimchi, und befahl ihnen, dies hundert Tage lang zu essen und während dieser Zeit das Sonnenlicht zu meiden.
Der Tiger gab kurz darauf auf, während der Bär blieb und in eine Frau verwandelt wurde.
Die Frau, ihr Name war Ung-nyeo, erwies sich als sehr dankbar, aber sie hatte keinen Mann und wurde traurig, weil sie keine Kinder hatte.
Hwanung wurde von ihren Gebeten gerührt und nahm sie zur Frau. Ihr gemeinsamer Sohn hieß Dangun Wanggeom - aus ihm wurde schließlich der erste König Koreas und unser aller Vater."
Die Asiatin richtet ihren Rücken auf und lächelt. "Das bedeutet, dass es das koreanische Volk nicht gegeben hätte, wenn die heilige Ungneyo nicht so eisern durchgehalten hätte. In unserer Kultur wird sie für ihren starken Willen geehrt." Ihr Blick macht die Runde. "Diese Gesichte wird jedem Kind erzählt, damit es weiß, wo es herkommt. Und dass es wichtig ist, seine Träume nicht aufzugeben."
"Schön erzählt!", freut sich Bea. "Und eine schöne Message." Sie grinst. "Geschichten aus fremden Kulturen haben mich schon immer interessiert." Theo freut sich ebenfalls: "Hast du noch mehr Geschichten?", fragt er Charlie.
"Das nächste Mal wieder, okay?", schlägt Karlotta vor.
"Och Menno!", sagt Theo, doch Bella sieht ihn an. "Für heute ist es schon zu spät. Geh schlafen." - "Ich träume bestimmt von der Bärenfrau!", erzählt Theo, während er sich tatsächlich in Richtung Bett aufmacht. "Das wird dann ein schöner Traum!", grinst Bella.
Auch die anderen machen sich nun bett- beziehungsweise Schlafsack-fertig und gleiten bald ins Reich der Träume.
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )
Charaktere: Charlie, Familie Greentail
Geschichtsstrang: Mathenachhilfe
Bea wartet nach Schulschluss vor dem Eingang. Dort hat sie sich mit Charlie verabredet, die den Weg zu Bea ja gar nicht kennt. Die Meerfrau denkt an das Sit-In zurück. Sie hatte Charlie um Mathenachhilfe gebeten. Hoffentlich würde das wirklich helfen. Bea lächelt. Sie denkt daran, wie begeistert Charlie war, als sie von dem Kanu in Sulani erfuhr. Vielleicht könnten sie die Mathenachhilfe ja mitten im Meer stattfinden lassen, auf besagtem Kanu? Sie nimmt sich vor, das vorzuschlagen. In diesem Moment sieht Bea ihre Verabredung auch und winkt ihr zu.
Charlie hebt die Hand aus der Ferne und kommt mit lässigen Schritten näher. Die Hände in den Hosentaschen. In Brinderlton ist es deutlich kälter, als in Sulani. Vorsorglich hat sie andere Klamotten eingepackt. "Hey.", grüßt sie freundlich, als sie bei Bea ankommt. "Und bist bereit für die Lektionen deines Lebens?"
"Und wie!", lacht die Meerfrau. "Freu mich, dass es geklappt hat. Zur Fähre geht es da lang..."
Ort: Sulani
Nach einiger Zeit erreichen die beiden Mädchen Sulani. "Mom ist nicht da, sie arbeitet Teilzeit in der Bar, wenn sie keinen Unterricht gibt.", erzählt Bea. "Aber Theo, mein Bruder, müsste zu Hause sein." Sie öffnet die Tür. Der Junge ist tatsächlich da. Er krault gerade Katze Silver. "Hallo!", sagt er, "du musst Charlie sein."
"Muss ich wohl." Die Besucherin zieht verschmitzt einen Mundwinkel nach oben. "Wie geht's dir, Theo? Ist deine Schwester nett zu dir?"
"Öhm... nein!", sagt er, und versucht ein ernstes Gesicht zu machen. "Sie nervt!" - "Hey!", ruft Bea in gespielter Empörung, "Dir helfe ich noch mal bei deinem Simlisch-Aufsatz!" Theo muss lachen. "Ach, sie ist wohl doch ganz ok.", sagt er grinsend. Dann sieht er Charlie an. "Das ist übrigens Silver!", Er hebt die Katze auf seinem Schoß hoch.
"Hey, Silver. Was geht?" Das Tier schaut mit interessierte Augen zur Asiatin und gibt ein gurrendes Geräusch von sich. Charlie nickt ihr zu. "Verdammt cool. Pass nur auf, dass dich deine Zweibeiner dabei nicht erwischen."
"Wie alt bist du, Theo?", fragt sie dann den Jungen.
"12", antwortet der Gefragte. Die Katze fängt an zu schnurren, fast so, als hätte sie Charlies Worte verstanden.
"Zwölf.", nickt Charlie. "Ich hab auch einen Bruder. Der ist genauso alt. Wenn der jetzt auch noch deinen Namen hätte, würde ich denken, ich bin Bea." Ihre schmalen Augen werden zu Schlitzen und sie lacht die Größere an. "Sollen wir?"
"Okay, Bea 2", sagt Theo lachend. Bea grinst. Dann sieht sie zu Charlie: "Klar. Hab mir überlegt, ob wir als Nachhilfeort vielleicht das Kanu wählen und das mitten auf dem Meer machen. Was meinst du?"
"Woa, Hammer!", ruft die Asiatin aus.
"Dann würde ich sagen, komm mit. Könnte nur nass werden. Wir sollten die Schulbücher also vielleicht noch mit Plastiktüten schützen oder so. Nur für den Fall. Aber das Wetter sieht gut aus."
"Bis dann, Theo." Charlie hebt ihm eine Hand entgegen, bevor sie Bea nach draußen folgt.
"Das ist ja wie im Urlaub.", staunt sie, als sie auf die Terrasse tritt. "Wahnsinn."
Das Kanu liegt am Steg und lässt sich von der Terrasse aus betreten. Bea lässt Charlie den Vortritt und folgt ihr, nachdem der Gast sich gesetzt hat. Sie steuert auf das Meer. "Würde sagen, wir fangen mit Mathe an, damit wir uns danach auf das Kanu fahren lernen freuen können. Was meinst du?"
"Klar.", nickt Charlie und klettert vorsichtig auf das Kanu. Mit den Armen balanciert sie sich aus, als das Gefährt einige Zentimeter davon treiben will und landet schließlich sicher auf ihrem Hintern.
Bea steuert das Kanu weiter auf das Meer. Es ist windstill, aber auch das ändert nichts daran, dass das Kanu etwas wackelt. Ein Kanu ist kein Passagierschiff mit Anker, aber Bea bleibt in der Nähe des Steuers, für alle Fälle. Eine Kiste mit Stiften und Papier für Matheaufgaben ist mit an Bord, doch die Schulbücher haben sie zur Sicherheit im Haus gelassen. Wenn ein Zettel ins Wasser fällt, ist der zwar verloren, aber immer noch besser, als wenn das dem ganzen Schulbuch passiert. Während Charlie ein paar Aufgaben für Bea aufschreibt, soll diese die Formeln auswendig aufsagen. Was manchmal klappt, aber meistens nicht ganz.
Charlie zeigt sich sehr geduldig. Wenn Bea hängt, gibt sie ihr ein Stichwort, um sie doch noch auf die Lösung zu bringen. Nach einer Weile erkennt sie schon einen ersten Fortschritt. "Diese Formel hattest du am Anfang noch nicht drauf. Das ist cool, Bea. Weiter so." Sie freut sich, dass ihre Hilfe fruchtet. Bei Jadyn kommt ihr die Arbeit eher vergebens vor. Er hat kein wirkliches Interesse daran, zu lernen. Aber die Meerfrau strengt sich an und sucht Wege und Eselsbrücken, um besser zu werden.
Auch Bea bemerkt, wie sie am Ende der Übungseinheit viel sicherer geworden ist. Sie packen die Zettel wieder weg. "Und jetzt kommt der spaßige Teil!", lächelt Bea. "Bist du bereit?" Charlie nickt aufgeregt.
Bea lässt Charlie ans Steuer. Sie erklärt, wie das Segel Einfluss auf die Fahrtrichtung hat. Wie man bei Flaute mit Hilfe des Ruders trotzdem weiter kommt. Wie man Tempo aufbaut und abbremst. Und wann es sicherer ist, das Segel einzuholen. Während Bea erklärt, versucht sie, auf Seemannsbegriffe zu verzichten, damit Charlie auch hinterher kommt, was sie sagen möchte. Mittlerweile kommt auch etwas Wind auf. "Willst du es nun mal probieren?", fragt Bea. "Falls was schief geht, bin ich ja auch noch da."
"Klar will ich." Voller Euphorie setzt sich Charlie ans Steuer und gibt ihr Bestes. Sie hat gut zugehört und hat eine schnelle Auffassungsgabe. Sie liebt es, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Unter anfänglicher Anleitung steuert die Asiatin das Kanu zuerst noch etwas holperig durch die kleine Bucht, doch nach einigen Minuten hat sie ein Gefühl für das Fahrzeug entwickelt und traut sich einige Meter aus den flacheren Gewässern heraus. "Das ist so megacool!", strahlt sie übers ganze Gesicht.
"Jaa!", jubelt auch Bea. Das Meer ist ihr Element.
Aber dann ändert sich ihr Gesichtsausdruck. Die Wettervorhersage hat mildes Wetter vorausgesagt und eine geringe Windstärke. Doch Bea ist erfahren genug, um zu erkennen, dass sie sich geirrt haben muss. "Die Wolken machen mir Sorgen. Wenn die so aussehen wie jetzt, heißt das, dass sich ein Sturm anbahnt.", warnt sie, "vielleicht sollten wir langsam umkehren."
"Alles klar, Boss!", ruft Charlie und nimmt einen großzügigen Wendekreis. Für einige Sekunden schließt sie die Augen und genießt den Wind im Gesicht. Sie liebt es, hier zu sein.
Bald spürt man, wie die Windstärke immer höher wird. Das kleine Kanu wackelt in den Wellen, und der Korb mit Papier landet dabei fast im Wasser. Bea bekommt ihn noch zu fassen. Noch hat sie die Hoffnung, an Land zu kommen, ohne das Meer durch Papier beschmutzen zu müssen. Da sie mehr Erfahrung im Segeln hat als Charlie würde sie am liebsten wieder das Steuer übernehmen.. Doch Charlie hat schnell gelernt und macht ihre Sache gut. Zumal es schwierig ist die Plätze zu wechseln, während das Kanu so wackelt. Und so gibt sie Charlie Anweisungen, mit denen es die Asiatin tatsächlich schafft, das Kanu rechtzeitig vor dem Sturm zurück zu bringen und wieder am Steg zu befestigen.
"Das war super, Kapitän Charlie!", lobt Bea lächelnd, nachdem beide wieder ausgestiegen sind.
"Was für ein Ritt!", schnauft die Kleinere glücklich. "Danke, Bea. Das war riesig." Sie knufft die neue Freundin kameradschaftlich in den Oberarm.
"Oh ja. Das hat Spaß gemacht!", sagt die Angesprochene grinsend. "Jedenfalls mehr als Mathe!"
"Wie sieht's denn mit etwas zu Beißen aus?", fragt Charlie unverhohlen. "Meeresluft macht echt hungrig."
"Kein Problem. Möchtest du, dass wir selber was kochen oder sind dir Reste lieber? Beides ist möglich.", erzählt Bea. "Wir haben noch was von gestern übrig, aber das wird morgen auch noch halten, wenn du lieber selbst kochen willst."
"Wenn du so fragst ... " Charlie legt einen Finger ans Kinn und grübelt kurz. "Wenn ich schon hier bin, wäre was traditionell sulanisches natürlich super. Fällt dir da etwas zu ein?"
"Gekochte Bananen zum Beispiel. Die sind hier recht beliebt. Alles, was so mit den hiesigen Obst zu tun hat, natürlich. Wir machen zum Beispiel auch viele Gerichte mit Ananas." Bea lächelt. "Und Fischgerichte gibt es auch viele, auch wenn das eher die Menschen hier machen und nicht die Meersims."
"Ich schaue Tieren lieber beim Leben zu, als sie auf dem Teller zu haben.", gibt die Kleinere zurück. "Aber für alles andere bin ich offen. Was ist dein Leibgericht?"
"Ah, du bist Vegetarierin?", fragt Bea lächelnd. "Gefällt mir. Also ich esse vieles gerne. Die erwähnten gekochten Bananen finde ich lecker. Aber es darf auch mal was ungesundes wie Pancakes sein.. Auch wenn die kein traditionelles Sulani-Gericht sind."
"Pancakes sind geil. Die gab's bei uns immer zum Frühstück, als ich kleiner war.", erzählt die Besucherin. "Aber die Bananen klingen gut. Lass uns das machen."
Bea holt die Zutaten. Bananen natürlich, doch es gibt auch Kräuter und Soße, um es aufzuwerten. Bea kennt das Rezept auswendig und gemeinsam bereiten sie alles zu. "Hey, kann ich mitmachen? Ich kann die Soße schon mal vorbereiten!", kommt Theo schließlich hinzu.
"Klar, Großer." Charlie stellt ihm die Zutaten zurecht und rückt etwas näher zu Bea, um Platz zu machen. "Wann kommt denn eure Mama nach Hause?", fragt sie, ohne jemanden bestimmten anzusehen.
"In etwa einer Stunde.", antwortet Theo, der damit etwas schneller war als seine Schwester.
Die drei bereiten die Bananen vor, rechnen auch für Bella eine Portion mit ein, die pünktlich ankommt, als gerade der Tisch auf der Terrasse gedeckt wird. "Hm, das riecht aber lecker.", freut sich Bella, als sie den Besuch bemerkt. "Oh, hallo Charlie. Wie lief Mathe?" Sie weiß von ihrer Tochter darüber.
Kurz schaut die Gefragte zu Bea herauf und schenkt ihr ein ehrlich gemeintes Lächeln. "Kriegen wir hin.", nickt sie dann zuversichtlich.
"Ja, es hat sich wirklich gelohnt!", bestätigt auch Bea. "Nächstes Mal bringe ich eine 1+ in der Mathearbeit nach Hause!" Sie muss dabei selber lachen. "Aber ernsthaft. Es hat geholfen."
"Wenn wir das wöchentlich machen, bist du schnell auf einem guten Stand." Charlie stemmt enthusiastisch die Hände in die Hüften. "Wirst sehen."
"Das wäre toll!", sagt Bea ehrlich.
"Sulani ist wirklich toll.", schwärmt Karlotta beim gemeinsamen Essen. "Haben die Greentails schon immer hier gelebt?", fragt sie neugierig in die Runde.
"Ja!", antwortet Bella, nicht ohne Stolz, "Auch meine Eltern und Urgroßeltern schon. Auch wenn unser Haus jetzt nicht ganz so alt ist."
"Beeindruckend.", fragt das Mädchen. "Wie weit kann man die Ahnenreihe zurück verfolgen?"
Bella lächelt. "So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es sind mindestens fünf Generationen."
"Daf iff wo fpannt.", mampft Karlotta mit großen Augen und würgt den riesigen Brocken herunter. "Ich kenne mich mit Meersims gar nicht aus. Wie ist das? Weiß man, wie alt euer Volk ist? Gibt es eine eigene Kultur, die ihr pflegt? Einen Glauben? Rituale?" Das Interesse der Mitsschülerin wurde geweckt und überschwemmt ihre Gedanken geradezu mit Fragen. Am liebsten würde sie sofort in die nächste Bibliothek laufen und sämtliche Bücher über dieses Thema verschlingen.
"Es gibt verschiedene Arten von Meersims!", erzählt Bella weiter, "Aber es wird angenommen, dass alle einem gemeinsamen Vorfahren entspringen. Wie alt Meersims im Allgemeinen sind, lässt sich schwer sagen. Manche sagen, älter als die Menschheit. Andere sagen, ungefähr genauso alt. Und wieder andere denken, dass dieser Okkult quasi eine Mutation von Menschen ist, die sich in späteren Generationen immer mehr an das Wasser angepasst haben." Theo mischt sich nun ein. "Ja! Es heißt, manche Meersims sind böse. Locken Seefahrer mit ihrem Gesang gegen Klippen und so. Aber wir nicht. Wir sind nett." Bea grinst. Da die anderen beiden ihrer Familie nun schon was gesagt haben, kümmert sie sich um die letzte Frage: "Unsere Kultur in Sulani dreht sich um den Gott Maoi. Viele Menschen in der Gegend haben diese Kultur jedoch auch angenommen. Aber es gibt auch Meersims mit anderem Glauben."
"Ihr seid wirklich richtig nett.", betont Charlie dem Jungen zugewandt. Sie mag den Kleinen. Er ist aufgeschlossen und freundlich. Insgesamt fühlt sie sich einfach wohl in dem Haushalt der Meersims. Und so vergisst sie natürlich, auf die Zeit zu achten. "Ach, du heilige Ungneyo!", ruft sie erschrocken aus. "Schon so spät?!" Hektisch steht sie auf und räumt ihr Geschirr ab. "Ich muss leider schnell los. Tut mir echt leid." Sie dreht sich zur Familienmutter und verbeugt sich. "Vielen Dank, dass ich herkommen durfte, Frau Greentail. Ich hatte wirklich eine gute Zeit.", strahlt sie.
Auch Bea blickt auf die Uhr. Es ist wirlich schon spät. "Du kannst sonst gerne auch hier übernachten, bevor du so spät noch unterwegs sein musst.", sagt sie, "Aber wenn du wirklich fort musst, leisten wir dir noch Gesellschaft bis zur Fähre."
Die Asiatin überlegt kurz. "Da müsste ich zu Hause anrufen und fragen." Sie zückt ihr Telefon und geht einige Schritte aus dem Raum. Wortfetzen einer fremden Sprache dringen zu der Familie, Lachen, mehr Worte und lauteres Lachen. Kurz darauf kommt Karlotta zurück und hebt grinsend die Daumen.
Bea freut sich. "Super. Eine Ersatzmatratze oder nen Schlafsack haben wir auch." Charlies Ausruf fällt ihr wieder ein. "Aber wer ist die heilige Ungneyo?"
Karlotta stutzt, bis ihr klar wird, was Bea meint. "Das ist die heilige Bärenfrau. Eine uralte koreanische Legende. Ich kann sie euch gern als Gute-Nacht-Geschichte erzählen.", grins sie und schließt damit auch Theo mit ein, denn sie weiß, wie Jungen in seinem Alter auf Geschichten stehen. "Ein Schlafsack reicht mir völlig. Ich bin es gewohnt, auf festem Grund zu liegen.", fügt sie hinzu.
"Au ja! Ich will Geschichten über Bärenfrauen hören!", freut sich der Junge. Aber auch die beiden weiblichen Greentails zeigen Interesse.
Karlotta lacht fröhlich. "Ich weiß ja nicht, wie das bei Meersims läuft. Aber bei uns zu Hause wird sich vor den Geschichten gewaschen und umgezogen. Einverstanden, Theo? Das gilt ntürlich auch für die Erzählerin."
"Na gut!", sagt Theo und eilt sofort los um sich umzuziehen. Bella muss lachen. Wenn das doch immer so gut klappen würden.
"Vor langer Zeit, als es noch keine Zeiten gab, herrschte Hwanin Kor über alle Himmel.", beginnt Karlotta die Geschichte, die ihre Mutter ihr jeden Abend erzählte. "Er hatte einen Sohn, Hwanung. Er sehnte sich danach, das Himmelsreich zu verlassen und Neues zu entdecken. Also sagte er seinem Vater, dem Herren aller Himmel, er wolle zur Erde reisen. Hwanin Kor konnte seinem Sohn diesen Wunsch nicht abschlagen, also wählte er einen Ort, an den sein Kind reisen konnte. Mit 3.000 Gefolgsleuten landete Hwanung auf dem Berg Taebaek. Dort gefiel es dem Sohn so gut, dass er die Stadt Sinsi, die Stadt Gottes, errichtete, um dort von nun an leben zu können.
Unter seinen Gefolgsleuten wählte er Minister, mit denen er den Menschen Gesetze, Moral, Kultur, Medizin und Landwirtschaft gab.
Sie lebten in Frieden mit einander und im Einklang mit der Natur, sie achteten alle Tiere und Geschöpfe Gottes.
Eines Tages baten ein Tiger und ein Bär Hwanung darum, sie in Menschen zu verwandeln. Hwanung gab ihnen Knoblauch und Beifuß, das war das erste Gimchi, und befahl ihnen, dies hundert Tage lang zu essen und während dieser Zeit das Sonnenlicht zu meiden.
Der Tiger gab kurz darauf auf, während der Bär blieb und in eine Frau verwandelt wurde.
Die Frau, ihr Name war Ung-nyeo, erwies sich als sehr dankbar, aber sie hatte keinen Mann und wurde traurig, weil sie keine Kinder hatte.
Hwanung wurde von ihren Gebeten gerührt und nahm sie zur Frau. Ihr gemeinsamer Sohn hieß Dangun Wanggeom - aus ihm wurde schließlich der erste König Koreas und unser aller Vater."
Die Asiatin richtet ihren Rücken auf und lächelt. "Das bedeutet, dass es das koreanische Volk nicht gegeben hätte, wenn die heilige Ungneyo nicht so eisern durchgehalten hätte. In unserer Kultur wird sie für ihren starken Willen geehrt." Ihr Blick macht die Runde. "Diese Gesichte wird jedem Kind erzählt, damit es weiß, wo es herkommt. Und dass es wichtig ist, seine Träume nicht aufzugeben."
"Schön erzählt!", freut sich Bea. "Und eine schöne Message." Sie grinst. "Geschichten aus fremden Kulturen haben mich schon immer interessiert." Theo freut sich ebenfalls: "Hast du noch mehr Geschichten?", fragt er Charlie.
"Das nächste Mal wieder, okay?", schlägt Karlotta vor.
"Och Menno!", sagt Theo, doch Bella sieht ihn an. "Für heute ist es schon zu spät. Geh schlafen." - "Ich träume bestimmt von der Bärenfrau!", erzählt Theo, während er sich tatsächlich in Richtung Bett aufmacht. "Das wird dann ein schöner Traum!", grinst Bella.
Auch die anderen machen sich nun bett- beziehungsweise Schlafsack-fertig und gleiten bald ins Reich der Träume.
(In Zusammenarbeit mit @RivaBabylon )